Der erste Schnee liegt in der Schwand, die Uhrenumstellung ermöglicht einen genüsslichen Zusatzschlaf: Die Zeichen stehen ganz klar auf Kernsaison. Noch hatten sich die Toggenburger nicht wirklich mit Ruhm bekleckert – eine muntere Meute von 14 Hobbyspielern und zwei Nachwuchshoffnungen aus dem Hause Meile machten sich auf den kurvenreichen Weg nach Appenzell, um dies zu korrigieren. Abwesend waren nebst dem fleissigen Bicklein und dem von Rückenschmerzen ans Bett gehefteten Ragoul die drei Madrid-Reisenden Samwise, Knudil und Gile – bei letzterem Gesellen geistert immer noch die Vermutung durch den Raum, er wolle sich dem H2-Meisterschaftsbetrieb vollends entziehen.

Trotz eiskalten Temperaturen war die Begrüssung in der Halle alles andere als unterkühlt: Wenn Herisauer und Toggenburger sich frühmorgens in Appenzell balgen, dann kennt so ziemlich jeder jeden. Nach einer Bärli-Biber-Stärkung machte sich Pirmin gleich ans Werk und füllte Namen, Schuhgrössen und Lizenznummern auf den fünffachen Durchschlag, schon ging es ans gemächliche Einlaufen und Vorbereiten. Mit zwei Blöcken à je 6.5 Feldspieler wurde das Maximum aus der unglücklichen Zahl gemacht, Coach Silvie packte die Reagenzgläser aus und mischte eine möglichst optimale Block-Chemie. Die Vorbereitungen waren natürlich nicht ganz freiwillig, musste man doch gegen den Spitzenreiter der noch jungen Saison ans Werk.

Die beiden Mannschaften kennen sich aus dem Effeff, ein Abtasten in den ersten zehn Spielminuten war die logische Konsequenz. Dann ging es aber plötzlich schnell: Chlörli leitete einen Pass an Temporärstürmer Pit weiter, welcher von der gegnerischen Kelle bis zu der Sprossenwand alles mit seiner Schussbewegung traf – glücklicherweise auch den Ball, welcher so ein erstes Mal im Netz der Herisauer zappelte. Da wollte natürlich die erste Formation sofort nachlegen, was mit einem klassischen Meile-Donnerschuss aus der dritten Reihe auf Zuspiel von Joista auch sofort Tatsache wurde. Noch vor der Pause durften die Zuschauer auf den Rängen eine Premiere erleben: Ein Abschluss von Pit blieb nach der Abwehr im Slot liegen und fand dort einen eiskalten Verwerter in der Person von Jüli. Erstes Tor in der legendärsten United-Mannschaft – herzliche Gratulation! Mit breitem Stadler-Grinsen ging es zum ersten Pausentee.

Die rot gewandete Equipe auf der anderen Seite des Spielfeldes blieb bis dato blass – irgendwie schienen die Toggis die Olma besser verdaut zu haben. Dieser Eindruck verstärkte sich nach Wiederanpfiff: Rasch legten die 1.609km nach, diesmal kam die Vorlage zum präzisen Abschluss von Pirmin. Anschliessend war einmal mehr Chlörli in Form, den Ball vom Capitano donnerte er unhaltbar in die Maschen. Selbst der erste Treffer der Herisau-Edelreserve bremste den Schwung nicht: Einen wirklich sehenswerten Konter über vier Stationen schloss Pirmin nun selber auf Vorlage von Gitzigätz erfolgreich ab, anschliessend durfte auch der Präsi ein erstes Mal jubeln – wiederum hatte der Rutishauser dabei seine Finger im Spiel. Nun wurde die Angelegenheit etwas chaotisch: Silberstern wollte unbedingt auch ein Tor bei seinem Comeback schiessen, war sich aber seiner mässigen Offensivgefahr gewahr. So stellte er sich einfach mal vor das eigene Gehäuse, wartete auf einen Herisauer Abschluss und beförderte diesen dann mittels Podex über die Linie – auch Eigentore zählen in der Scorerliste. Dem UHC Herisau gelang noch ein weiterer Treffer nach einer Spontanumnachtung vom schreibenden Hobbygoalie, zuvor hatten aber Gitzi auf Pitsche Vorlage sowie Hattrick-Meile mit Kilae-Assist das Resultat längst in sichere Bahnen gelenkt. Mit 9:3 fiel der Erfolg hoch aus, nur Gitzi musste sich zum Schluss etwas kritisieren lassen, hatte er doch das Stängeli mit dem letzten Abschluss vorbeistreichen lassen.

Ein Vorbereiten auf die zweite Partie war dann gar nicht notwendig: Disentis fand im Schneegestöber den Ausgang der Surselva nicht und musste Vorfeld (sic!) erklären. Somit war die maximale Punkteausbeute schon Tatsache, allerdings hatte der H2-Konditrainer fix 80 Spielminuten vorgeschrieben. Zum Glück traten da die Hausherren auf den Plan: Auch sie mussten in Ermangelung der Desertina Bulls auf eine zweite Bewegungseinheit verzichten, so wurde flugs nach dem Spielende gleich nochmals eine Partie in der Form eines Freundschaftsspiels gestartet – und auch darüber lässt sich ausführlich berichten. Die Energiefrage beantworte Joista gleich zu Beginn, nach seinem Sololauf über das halbe Feld lagen doch die mühsamen United-Backups schon wieder in Front. Das 2:0 durch Chlörli liess nicht lange auf sich warten, den Pass erhielt er dabei von 1.609km junior – Freundschaftsspiel sei Dank durfte sich die Nachwuchshoffnung auch abseits der Rheintal-Meisterschaft in die H2-Scorerliste eintragen lassen. Wunderbar dann der Pass von Gitzi kurz vor der Pause auf Rust am weiten Pfosten. Ohne sich bewegen zu müssen – also völlig entgegen dem Naturell des Präsidenten – durfte er das Tor direkt bewerkstelligen. Schon wieder 3:0 in Front harrten die Toggenburger der Dinge, die noch kommen möchten.

Der Faden riss an diesem munteren Vormittag einfach nicht ab. Kurz nach der Pause erzielte Gitzgätz schon das 4:0, orchestriert wurde er diesmal vom Senior-Meile. Anschliessend durfte auch HJS endlich wieder einmal jubeln und scoren, sein Auswurf war zwar für normalsterbliche H2-Spieler zu weit konzipiert, Lario erreichte ihn aber mit seinen Sieben-Meilen-Stiefeln und düpierte den Innerhödler Keeper zum 5:0. Natürlich nichts zu machen war anschliessend beim Ehrentreffer des UH Appenzell II, im zweiten Abpraller verkürzten sie erfolgreich – aber nicht für lange: Postwendend war es schon wieder Gitzi auf Zuspiel von Meile, der auf 6:1 stellte. Somit durften die Meiles mit insgesamt sieben Punkten von dannen ziehen. Den Schlusspunkt setzte aber schon wieder Neo-Torjäger Jüli: Ein Geschoss von Pirmin wurde definitiv, klar und für alle erkennbar von ihm noch vor der Torlinie abgelenkt. Und der allerletzte Schlusspunkt blieb dann wieder dem Sportchef vorenthalten: Mit einer Flanke über das ganze Feld bei einer 6:3-Spielsituation (kein Witz!) traf er Sekundenbruchteile vor dem Schluss noch zum 8:1.

Somit wurden erstmals an einer H2-Runde gleich drei Spiele gewonnen. Und als ob das amüsante, faire und intensive Freundschaftsspiel nicht schon genug Lohn für die tolle Tagesleistung gewesen wäre, offerierten die Appenzeller der United-Equipe doch gleich noch einen kompletten Harass an leckeren isotonischen Getränken aus dem Hause Locher – stellvertretend für die gesamte Mannschaft herzlichen Dank für dieses tolle und stets hochwillkommene Präsent!

Nach dem Wiederauffüllen der Flüssigkeitsreserven stellte sich die Frage, was denn nun mit dem angebrochenen Tag noch zu tun wäre. Frauen, Freundinnen und Haustiere erwarteten die Spielerschar ja erst wieder am frühen Nachmittag im heimischen Domizil, entsprechend folgten die Gaudi-Schar dem Tipp eines Einheimischen und fanden sich im gemütlichen Speiserestaurant knapp ennet dem Jordan wieder. Manch Leckerei mit gehörig Scoville wanderte in die weit geöffneten Schlunde, gleichzeitig musste noch ein rascher Jass improvisiert werden. Lario liess seine Jassklasse schon wieder aufblitzen und enteilt allmählich dem Feld, aber die Saison ist ja noch jung. Nächste Gelegenheit für Spiel und Jass bietet sich für die neu auf dem First-Loser-Platz klassierten Toggenburger bereits in vier Wochen. Dann müssen sie selber die Pfade nach Disentis einschlagen – hoffentlich mögen ihnen die Wettergötter dabei besser gewogen sein.

Fürs Zwei bei den Katholiken: Chlörchen, der luchsige Lario, Hugi der Teilzeit-Captain, Piotr, de Düli, Einlaufmusikspezialist Kilae, Pirmin das Ligenwechselkind, Gitzigätzi, el Presidente, Erfolgs-Comeback-Coach Silvie van der Star, Pocahontas, der Erzherzog, 1.609 Punktesammler, de Trainer vom Eis; Entlastung Physis: Luca; Ehrencapitano: Livio.