Der heurige Spielplan meint es wieder einmal sehr gut mit den Toggenburgern, fast immer dürfen sie frühmorgens und vor fast leeren Rängen ihr Pflichtprogramm absolvieren. Da diesmal der Austragungsort auf fast 1‘200 Metern und im tiefsten Bündnerland zu liegen kam, stellte die Tageszeit aber doch eine Herausforderung dar – flugs wurde eine Notfallbrigade aus sechs Feldspielern und einem Torhüter nach Disentis entsandt, um im Falle eines spontanen Lawinenniedergangs zumindest über ein matchtaugliches Kader verfügen zu können.

Der grössere Haufen dieses Trüppchens machte sich schon nachmittags auf die Pirsch, dem Vernehmen nach gaben sie sich nur in der Sauna- und Bäderlandschaft eine Blösse. Als diese wagemutigen Gesellen dann galamässig diniert hatten, stiessen auch noch Kilae und Schreiberling aus dem Tal hinzu, schon konnte eine gesellige Jassrunde gestartet werden. Zwar spielten Joista und HJS eigentlich deutlich besser, irgendwie luchsten aber doch Kilae und Pocahontas mehr Punkte ab. Bei einem lauwarmen Pfefferminztee wurde der nebelfreie Sternenhimmel genossen, so dass am nächsten Tag niemand, aber auch wirklich gar niemand mit einem Brummschädel oder anderen physischen Gebrechen aufstehen musste.

Laut geweckt wurde man vom Gehupe der Jungmannschaft – dank Autos aus Flawil und Wattwil füllte sich die als Arvenstube getarnte Garderobe rasch, schliesslich wurden die drei Blöcke nur um eine Position verpasst. Die vorher erwähnte frühzeitige Entsendung hatte natürlich ihren Grund: Im Startspiel warteten die Mannen aus Flims, welche gebirgserprobt sind und mit deren Fernbleiben nicht gerechnet werden musste.

Rein ins Spiel, und gleich schon ordentlich unter Druck: Den Kontrahenten von Flims Trin Unihockey war die zusätzliche Mütze Schlaf aufgrund der kürzeren Anreise deutlich anzumerken, heizten sie doch dem Rückraum von United gehörig ein. Ein 0:1-Rückstand im Verlauf der ersten Halbzeit war die logische Konsequenz, glücklicherweise war aber der Sportchef durch die grosse Höhe und die damit verbundene Reduktion der Erdanziehung (für Details: Bollxiger fragen!) flinker den je unterwegs und traf noch vor der Sirene flach-präzis zum 1:1, der Pass kam dabei von Pit. Kein Erbarmen zeigten indessen die Schiedsrichter: Erst schickten sie Peterlein wegen unkorrekten Abstandes auf den Sündenpfahl, dabei hatte er doch mindestens eine Fussbreit Distanz zum Ausführungsort gelassen. Und als das nichts half, wurden die vom vorabendlichen Wellness-Angebot noch etwas müden Toggenburger halt schlicht zum Seitenwechsel genötigt.

Naja, die andere Seite war dann doch gar nicht so schlimm: Kurz nach der Pause brachte Jungspund Pirmin auf Zuspiel von Samwise die Toggenburger wieder in Front, anschliessend brillierte Gitzigätz, dessen legendärer Move doch tatsächlich endlich einmal gelangt – einen Assist darf man auf dieses technische Kabinettstückchen natürlich nicht vergeben. Das 4:1 durch Pirmin brachte nun auch den ersten Scorerpunkt für Speakergott Negil-San, somit hatten nun alle im Einsatz stehenden Akteure mindestens eine Null gelöscht. Auch eine Null löschten Gitzi und Silberstern – ein übler Stockschlag und ein offensichtliches Handspiel brachten ihnen die ersten Strafen der Saison ein. In Unterzahl blieben die Toggis Herr der Lage, bei nummerischem Gleichstand hingegen musste doch noch ein weiterer Treffer nach einer ungenügenden Zuordnung hinnehmen – nur absolute Skeptiker nehmen hier das Wort „Torhüterfehler“ in den Mund. Für den Endstand war dies aber von minderschwerer Bedeutung, Bärensam besiegelte mit dem 5:2 auf Gitzi-Vorlage die Partie, nota bene war dies die erste Saison-Bude des Kirchberger Knipsers.

Die Desertina Bulls dürfen sich wahrlich rühmen, über die beste Festbeiz der vierten Liga zu verfügen. Dies ist insofern schade, wenn man nur ein Spiel Pause im gemütlichen Tennisrestaurant verbringen darf. Ein Pausenjass konnte natürlich trotzdem hineingequetscht werden, so durfte der Erzherzog doch noch einen zweiten Jasspunkt an diesem Wochenende quittiert bekommen. Die preisgünstigen Mittagsmenus mussten noch warten, zuerst galt die volle Aufmerksamkeit den Pumas aus dem Zürcher Oberland.

Wie unterschiedlich doch Spiele verlaufen können! Im ersten Match waren die H2-Edelreserven insbesondere in Hälfte eins klar schwächer, gewannen schlussendlich aber deutlich. Diesmal genau umgekehrt: Gegen die Backup-Pumas lief der Ball formidabel in den United-Reihen, der Starttreffer landete aber im eigenen Netz. Doch auch diesmal gelang die rasche Reaktion: Erst glich Sam der Scorerlisten-Tabellenkletterer auf Luchs-Lario-Zuspiel aus, anschliessend durfte doch tatsächlich schon wieder Torhüterlegende Stadler-San jubeln: Perfekt von Meile inszeniert verblieb ihm gar keine andere Möglichkeit, als Gelb-Schwarz (ja, die Trikotfarbe ist diesmal ein leidiges Thema) in Front zu bölzen. Doch wiederum waren die Kontrahenten unnachgiebig: Ein zwar unverdeckter, aber perfekt platzierter Schuss brachte zur Pause erneut ein Remis.

Offensichtlich hatten sich die Schiedsrichter mittlerweile akklimatisiert – das Thema „Seitenwechsel“ war schon im zweiten Spiel gestorben. Somit durften sich die United-Djangos die aufsteigende Sonne auf den Pelz brennen lassen, was ganz offensichtlich wahre Wunder bewirken kann: Erster Einsatz nach der Pause – erstes Tor; erfolgreich 1.609km auf Zuspiel von Abderkappler. Zweiter Einsatz – zweites Tor; erfolgreich Pirmin, Vorlage Fehlanzeige. Schon sieht die Welt viel schöner aus, auch wenn die Chancenauswertung in der Folge immer noch inferior war – ein veritabler mündlicher Ausraster eines ungenannten Töffmechs gegenüber einem ebenfalls ungenannten Langhaardackel mit Chüeligoort wurde glücklicherweise von den Unparteiischen überhört. Schliesslich erreichte auch Kilae die himmlischen Sphären, den Ball von Jörgerl brachte er perfekt am sehr starken Schlussmann der Pumas vorbei. Und als dann für die Zürcher mit dem 3:5 doch nochmals kurz Hoffnung aufkeimte – dem ansonsten tadellosen Silverstar unterlief ein kleineres Missgeschick in der Abwehr – wurde diese jäh gestoppt: Gleich nach Wiederanpfiff lief der Ball wie am Schnürchen und letztlich via Pirmin und Gitzelgätz über die Torlinie.

Juhuiii, wieder vier Punkte. Kühle kachelfarbige Kraftflüssigkeiten aus Egils kaltem KFZ-Kofferraum erhellten die Stimmung, den Gang über den Gang in die Dusche meisterten die in der nordischen Sauna-Kombination mittlerweile Geübten problemlos. Einige der United-Umtriebigen blieben dann gleich noch etwas vor Ort, Cordon-Bleu mit Pommes für 12 Franken ist auf Ostschweizer Speisekarten etwa so häufig anzutreffen wie das lokale Idiom im Toggenburg. Damit durften/mussten die Toggis noch die Niederlage der Herisauer mitansehen. Gaudium schadensis brach darob natürlich nicht aus, die Tabellenführung wird aber gerne angenommen – eventuell lassen sich daraus Bierverträge knüpfen, die aufgrund aktueller Tenu-Vergesslichkeiten dringend benötigt werden. Weiter geht es in zwei Wochen in Flem, vielleicht liegt ja dann schon genügend Zucker, um rund um die beiden Morgenspiele ein Skiwochenende zu fabrizieren.

Cun il dus en Disentis: Drian Laudrup, 1.609 kilometru, il archiduca, staila d’argient, Pocahontas, Egil-san assassin d’urs, Gile il giuven, Kilae il vegl, Samwise, de Düli, Pirmin il stgarpitschader, quadrel-quädrel, Lario luf-tscherver, chapitani remplazzant Ragoul, Peder; absent: Luca.