Gossau, Sonntag, 27. Oktober – traditionellerweise wird direkt nach der Zeitumstellung eine H2-Meisterschaftsrunde ausgetragen. Nebst der zusätzlichen Stunde REM-Schlaf mussten die Toggenburger auch erst auf das zweite Tagesspiel ans Werk, somit konnte Playing Coach Silvie auf 15 muntere Feldspieler und zwei gepolsterte Kastenhüter zählen. Die Zuteilung der Torhüter-Spiele erfolgte dabei über die Konfession: Protestant gegen Ausserrhoden, Katholik gegen Innerrhoden.

Um 10.55 Uhr MEZ galt es dann im ewigen Duell – die Herisauer haben mittlerweile Wängi schon fast den Rang abgelaufen – ernst. Obwohl der Veranstalter beide Teams mit einem „III“ statt einer „II“ auf den hübschen Garderobenzettelchen titulierte, war das Gezeigte in den Startminuten gar nicht so lau. Zwar wurden die ersten fünf Minuten auch für intensive Begrüssungs- und spassige Provokationsversuche genutzt, danach stellten aber beide Mannschaften das Runde und das Eckige ins Zentrum. Erste Erfolge liessen nicht lange auf sich warten: Samwise wurde von Gitzigätzi traumhaft lanciert und eröffnete das Score, praktisch postwendend ging aber ein Herisauer im hohen Slot vergessen, der Ausgleich war bittere Tatsache. Gegen den Leader nach der ersten Runde liefen dann aber die St. Galler allmählich zur Hochform auf: Mit einem satten Lauf über das halbe Feld brachte Pirmin die Gelb-Schwarzen wieder in Front, den hochverdienten Assist durfte sich der Erzherzog notieren lassen. Danach schlug die Stunde des H2-Neulings: Transfersensation Omar – ruhmreiche NLB-Tage liegen hinter ihm – wurde durch die temporäre H1-Verstärkung Lüzchen mustergültig freigespielt und überwand den AR-Keeper gekonnt. Mit zwei Längen Vorsprung ging es somit zum obligaten Seitenwechsel.

Dass dieser Vorsprung so etwas von saugefährlich ist, war wohl allen Beteiligten mehr als klar. Gitzi liess sich in seiner (Früh-)Form nicht zweimal bitten und behob diesen Missstand auf Vorlage von Poci – mit 4:1 liess es sich dann doch etwas besser leben. Gar bunt trieb es Pargätz dann anschliessend: Mit einem sehenswerten Stockhebler entfernte er den Ball von Gegners Holzscheit und drosch ebendiesigen mittels Rückhand ins Torgebälk. Löblich klärte er aber die Unparteiischen anschliessend über das Geschehen auf, somit wurde die erste Torrücknahme nach eigenem Antrag in der H2-Geschichte Tatsache. Eine erste Lethargie folgte aber rasch, für einige Minuten waren vornehmlich die Herisauer Edelreservisten am Drücker. Tatsächlich gelang im Trubel die Verkürzung auf 2:4, doch auch hier hatten die United-Recken wieder eine Antwort in petto: Das fleissige Pirminchen hämmerte einen Schuss dergestalt brutal in die Maschen, dass selbst Büx auf der Tribüne ins Zittern kam. Dem 5:2 folgte kurze Zeit später zwar noch der dritte Herisau-Treffer, schliesslich war aber der Erfolg gegen den Leader doch in trockenen Tüchern.

Keine Zeit für lange Reden – nur handgestoppte 55 Minuten verblieben für den Pausenjass. Unglaublich, was hier Chlörli an Stichen einverleibte. Getreu seinem Motto „play fast, loose faster“ zwirbelte er zuerst einen Match hin, ehe er dann doch im Molotow-Cocktail verglühte. Lachender Profiteur war el Presidente, mit einem Jasspunkt auf der hohen Kante lebt es sich gleich entspannter. Kurze Zeit verblieb für ein Pausengeplauder mit den eigenen Zuschauern – vielen Dank für euer Kommen! – schon ging es gegen den UH Appenzell II wieder ans Werk. Wobei: Ganz so einfach war die Angelegenheit dann doch nicht, die spielbereiten Gossauer mussten erst vertrieben werden, offenbar hatten sie ihre Uhren am Vorabend doch etwas stiefmütterlich behandelt.

Die Rache für diese Vertreibung folgte auf dem Fusse, denn offensichtlich hatten die Hausherren doch nicht die Unwahrheit ausgesprochen, indem sie United eine „III“ anhefteten, dem UH Appenzell aber die „II“ beliessen: Von Beginn an spielte die United-Hopfentee-Brigade schwach, kaum ein Pass fand das gewünschte Ziel, von Torschüssen ganz zu schweigen. Cleverer spielten da die Innerrhödler, noch vor der Pause trafen sie zum 1:0, der Torschütze blieb bei seinem Abschluss gänzlich unbehelligt. Irgendwie gewahrte man sich wieder im Disentis-Spiel zum Saisonbeginn, der Fokus wurde jedenfalls während den gesamten 20 Startminuten nie richtig gesetzt.

Die Hoffnung auf eine Besserung nach dem Pausentee währte nur kurz: Zwar waren die Toggenburger in den Startminuten häufiger vorne anzutreffen, dafür fehlten sie nun hinten. Aus dem 2:0 zugunsten des UH Appenzell liess sich noch Positives gewinnen, indem XL-Sportchef 1.609km den Ball selber in die Maschen beförderte und somit in der Torschützenliste nach vorne schnellte, anschliessend zogen die Innerrhödler aber in rascher Folge gleich auf 4:0 davon, immer wieder wurde Torhüter Andi von seinen Vorderleuten sträflich im Stich gelassen. Mit einer Auszeit und einer Bündelung der Kräfte auf zwei Blöcke wurde versucht, das Unmögliche noch möglich zu machen. Und tatsächlich keimte noch einmal Hoffnung auf, indem zuerst Omar – offizieller Spitzname gemäss TIUH-Page „Häns“, daran müssen wir noch arbeiten – auf Zuspiel von Chlörli und anschliessend Pirmin auf Gitzi trafen. Doch trotz besagt gefährlichem Zweitorerückstand zeigten sich die United-Djangos heute nicht von ihrer gewohnten Seite, liessen sich auf Mätzchen mit dem Gegner ein und wirkten nicht wirklich präsent. Andererseits soll natürlich auch die kämpferische und einsatzfrohe Einstellung der Appenzeller betont werden: Mit äusserster Vehemenz verteidigten sie ihr Tor in der Schlussphase und störten die Toggis immer zur richtigen Zeit. Das 5:2 zu ihren Gunsten in der Schlussphase unterstrich dies nochmals deutlich, somit wurden auch in der zweiten Runde „nur“ zwei Punkte eingefahren.

Zumindest den älteren Gesellen unter uns – und davon gibt es ja bekanntlich reichlich – dürfte irgendwo im Hinterkopf der Klassiker „Up and Down“ von den Vengaboys beharrlich auf die Nerven gehen. In den ersten vier Spielen wurde den vermeintlichen Favoriten Herisau II und Mörschwil das Leben gehörig schwer gemacht, gleichzeitig blieb man gegen die ebenso nur vermeintlich leichten Gegner aus Disentis und Appenzell gelinde gesagt blass. Um zu verhindern, dass dieses „Up and Down“ nicht die gleiche Renaissance wie „We’re going to Ibiza!“ vom gleichen „Künstler“ in diesem Frühsommer erlebt, müssen nun die Leistungen über 80 Minuten besser werden. Die erste Gelegenheit zur Korrektur bietet sich den Toggis am 24. November in Disentis, wobei natürlich zuvor wieder das übliche Surselva-Wellness-Programm auf dem Plan stehen wird. Bis dahin müssen sie aber wohl oder übel mit dem sechsten Tabellenplatz Vorlieb nehmen – noch kann man aus eigener Kraft Erster werden…

Wer hat an der Uhr gedreht? Egil-san Kenobi, Pocahontas, Gitzigätz, Capitano Ügüli, Samwise, der Unihockeygott, Silvie van Hoeness, das rippengeplagte Chlörli, Düli, de Häns, Geburtstags-1.609km, Joigl, Pörmein, Jassgott Rüstirüst, Lario, Donbot, And.Ypsilon; Chefbeauftragter Sommerzeitabschaffung: Livio