Der zweite Blick zurück auf unvergessliche Momente in der Vereinsgeschichte fällt auf die Schlussphase der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg in die erste Liga. Der Ligaerhalt musste sich in einer Relegationsserie gegen Bassersdorf-Nürensdorf erkämpft werden. Das Duell zwischen den beiden Mannschaften war deutlich umkämpfter, als die ersten Spielminuten erahnen liessen.

Wir schreiben den 18. März 2017. Seit dem im ersten Donnschtigstraining beleuchteten Aufstieg in die erste Liga ist ein knappes Jahr vergangen. Nach einem überraschend erfolgreichen Saisonstart – die Aufstiegseuphorie konnte offenbar über die Sommermonate konserviert werden – folgte die harte Landung in der höheren Spielklasse. Nach einer langen punktelosen Baisse war der Weg in die Playouts unausweichlich. Dort waren im Kräftemessen mit den Vipers InnerSchwyz zwar endlich wieder einige Lichtblicke erkennbar. Diese waren allerdings nicht zahlreich genug, um die unangenehme Saisonverlängerung zu verhindern. So musste sich das Toggenburger H1-Team nach zwei weiteren Niederlagen ab Mitte März in den Auf-/Abstiegsspielen der aufstrebenden Mannschaft von Unihockey Bassersdorf-Nürensdorf rund um die Routiniers Weder/Aydemir stellen. Für die erste Partie dieser Serie mussten die Toggenburger auswärts in Nürensdorf antreten. Die Spielstätte war mit den euphorischen Anhängern des Heimteams gut gefüllt und auch der Auftritt der UBN-Spieler vor dem Anpfiff liess keine Zweifel über deren Ambitionen aufkommen. Auf Toggenburger Seite hingegen hoffte man eher, durch zähe Gegenwehr die Partie offenzuhalten und somit das Selbstvertrauen der Gegner zu brechen sowie selbst endlich wieder Erfolgserlebnisse erarbeiten zu können. So lautete der Gameplan; doch selbst in den kühnsten Vorstellungen hätte man sich nicht erträumt, wie perfekt dies gelang. Die ersten Spielminuten verkamen zum Toggenburger Torfestival:

  • 01:31 Baumann 0:1
  • 02:36 Zwicker (Assist Rüegg) 0:2
  • 04:53 Pargätzi 0:3

Im Offensivspiel – in der bisherigen Saison viel zu harmlos – schien plötzlich alles zu glücken. Auch das folgende Timeout mit Torhüterwechsel der Heimmannschaft konnte daran nichts ändern. Christoph Abderhalden auf Zuspiel von Baumann und kurz darauf Thomas Keller auf Vorlage von Frey erhöhten den Vorsprung noch vor Ablauf der 7. Spielminute auf fünf Tore.  Dass diese ungewohnte Leichtigkeit nicht ewig anhalten konnte, hätte eigentlich allen Akteuren klar sein müssen. Trotzdem schaltete man einen Gang zurück und liess so die Zürcher Unterländer wieder ins Spiel zurückkommen. Nach und nach wurde der Gegner durch die eigene ungenügende Abwehrhaltung förmlich eingeladen, den so stolzen Vorsprung zu verringern. So konnten die Aufstiegsaspiranten in der 54. Spielminute tatsächlich den Ausgleich herbeiführen. Damit hatten sie das viel zitierte Momentum definitiv zu ihren Gunsten gedreht. Die arrivierten United-Kräfte schienen nun zu keiner Reaktion mehr fähig zu sein. So brauchte es die dritte Linie um den kämpferischen Center Rutishauser, welcher lanciert vom frisch eingewechselten Bruhin etwas mehr als eine Minute vor Spielende doch noch den entscheidenden Siegestreffer erzielen konnte. Wahrscheinlich ist mir dieses verrückte Spiel auch deshalb noch so präsent, weil ich von der Bande mitfieberte, aber verletzungsbedingt nicht selbst eingreifen konnte. Die Anspannung wird dadurch nicht kleiner, wie mir auch in den folgenden Partien dieser Affiche bewusst wurde. Die ganze Serie war nämlich höchst umkämpft und auf jeden Sieg folgte eine Niederlage. Selbst das alles entscheidende fünfte Spiel wurde erst gut zwei Minuten vor Schluss zu unseren Gunsten gedreht – sinnbildlich durch einen unnachahmlichen Solovorstoss von Koller, welcher für dieses Spiel aus der zweiten Mannschaft reaktiviert werden konnte. Umso besser liess sich nach dem Spiel feiern, wie folgendes Bild aus der Garderobe andeutet. Um (fehlende) Erinnerungen aufzufrischen, sei an dieser Stelle auf die umfangreichen, aber nicht zwingend publikationsgeeigneten Bild- und Tondokumente im Teamchat verwiesen.  Somit konnte sich United Toggenburg nach einer erneut langen Saison etwas glücklich, aber nicht unverdient in der ersten Liga halten. Ironischer Weise auch aufgrund des fehlenden Heimrechts in den Relegationsspielen. Ob dies einen direkten Zusammenhang mit dem Publikum hatte, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem bin ich froh, konnte das Verhältnis zu den Zuschauern mittlerweile korrigiert werden: In der abgelaufenen Saison konnten sämtliche Meisterschaftsspiele vor eigenem Publikum gewonnen werden. Das gibt mir die Gelegenheit an dieser Stelle nachzuholen, was aufgrund des abrupten Saisonabbruchs vergönnt war: Ich möchte mich auch im Namen der ganzen Mannschaft ganz herzlich bei unseren Fans für die grossartige und treue Unterstützung bedanken. Ich hoffe, dass sich die Lage so entwickelt, dass wir auch in der kommenden Saison wieder vor dieser grossartigen Kulisse für United Toggenburg auf Punktejagd gehen dürfen. Bis es soweit ist, möchte ich Zellweger bitten, im nächsten Beitrag alte Erinnerungen aufleben zu lassen. Und vielleicht kann er von seinen Erfahrungen von der Umstellung berichten, wenn man nicht mehr auf dem Spielfeld, sondern von der Bande aus nur noch indirekt Einfluss auf das Spielgeschehen ausüben kann.